Schulbeginn

Vor einiger Zeit kam eine liebe Bekannte auf mich zu und erzählte mir von ihrer Idee: sie wolle eine Schultüte für ihre Tochter nähen. Diese solle dann, nach „getaner Arbeit“ zu einem Kissen umfunktioniert werden. So kann die Schultüte weiter verwendet werden. Nun ging ihre Idee soweit, dass sie den Mamas aus ihrem Kindergarten davon erzählte, die sofort begeistert waren. Nun kam sie mit dem Anliegen auf mich zu, ob ich Lust hätte, sie darin zu unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Natürlich fand ich ihre Idee super, denn wenn es ums Nähen geht, bin ich immer begeistert!

So suchten wir gemeinsam nach einem Termin. Den Ort hatten wir recht schnell gefunden. Dafür bot sich unser Gemeindehaus gut an. Es gab genügend Platz, Tische, Stühle und natürlich Steckdosen. Die Terminfrage war ebenfalls schnell geklärt. Das überraschte mich am meisten. Ganz ohne eine großangelegte Terminabstimmung kristallisierten sich 2 Termine, an denen wir uns dem Projekt stellen wollten.

Was mich wirklich beeindruckt hat war, dass es Mamas gab (hier waren es tatsächlich nur Mamas. Die Papas trauen sich vielleicht beim nächsten Mal dazu….), die noch nie genäht haben, aber diese Sache angehen wollten.

Wieviel Planung im Vorfeld untereinander nötig war, habe ich  nur am Rande mitbekommen. Sie bestellten sich Bügelbuchstaben und sonstige Applikationen, tauschten sich über Stoffe aus, wo die beste Beratung zu bekommen sei, überlegten gemeinsam, wie es aussehen sollte. Zwischenzeitlich wurde ich via Gruppenchat informiert, wie der Stand diesbezüglich aussah und streute hin und wieder einige Tipps ein. Aber letztendlich haben sie es auch ohne meine wertvollen  Beiträge super geschafft!

Der Tag des Nähens rückte näher und die Nervosität der Mamas stieg, was ich anhand der Chatnachrichten bemerken konnte. Natürlich! Die Einschulung soll ein unvergesslicher Moment werden für die Kinder. Dazu gehört neben dem Ranzen vor allem die Schultüte!

So trafen wir uns also im Gemeindehaus und nicht nur fürs Nähen war gesorgt. Auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz:

(Der Rhabarberkuchen war der Hammer!!! Und ich glaube der Restsekt, der nach dem Öffnen in der Flasche verblieb, war es auch…)

Die Stimmung war gut und nach ein paar Fragen bzgl des Schnittmusters, wie die Unterteilungen am besten zu setzen wären, ging es los.

Das Zuschneiden nahm in der Tat mal wieder die meiste Zeit in Anspruch.  Und ich durfte feststellen, wie ordentlich und akkurat die Mamas überlegten, zuschnitten, anordneten, zusammensteckten, über Farben diskutierten etc. Es war so eine Freude dabei zu sein und an den Überlegungen beteiligt zu sein. Dabei war ich wenig gefragt. Sie selbst gaben sich gute Ideen und Unterstützungen. So, wie es sein soll.

Es gab auch eine Enttäuschung, die ich nur zu gut verstehen kann. Man hat etwas im Kopf, wie es aussehen soll und dann ist die Realität ganz anders als die Fantasie. Da entsteht Frust. Mir kommt das sehr bekannt vor. Doch zum Glück hatten wir 2 Termine festgelegt, so dass jetzt eine Woche Zeit war, neu zu überdenken und auch zu passendes, fehlendes Material zu kaufen.

Was mich an dem Abend am meisten gefreut hat, war die Freude in den Augen der Mama, die ihre Tüte soweit zusammennähen konnte, dass man schon das Endprodukt erahnen konnte. Diese Freude ist es, für die es sich lohnt, sich für andere zu engagieren und ihnen beizustehen. Ich bezeichne mich nun wahrlich nicht als Expertin auf dem Gebiet des Nähens und habe selbst noch viel zu lernen! Doch die Freude, die kann man nicht lernen. Die ist einfach da. Und die ist einzigartig und unbezahlbar!

Am zweiten Abend ging es dann an die Nähmaschinen. Dort wurden alle zusammengenäht und letzte Verzierungen angebracht.

Und am Ende waren alle so glücklich und zufrieden. Das hat mich angesteckt! Fast hatte ich das Gefühl, dass meine Kinder noch einmal eingeschult werden. Danke dafür! Ihr seid echt ein großartiges und vor allem kreatives Team!!! Es wurde gelobt, unterstützt, gelacht, wertgeschätzt und die ganze Atmosphäre war einfach wunderschön. Es hat mir total viel Freude gemacht mit diesen kreativen Frauen! Und das Ergebnis kann sich doch wirklich mehr als sehen lassen:

Als Dankeschön für mich gab es eine ganz besondere Belohnung (obwohl die Freude der Freude nicht zu übertreffen ist!)

Der letzte Stand der Dinge: Sie besprechen sich gerade, wann sie Schlampermäppchen aus ihren Reststoffen nähen wollen. Und das ganz ohne mich…

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